Das Auge des Kaninchens und seine Fehler

Bei den zur Zeit bestehenden Kaninchenrassen wird von den Züchtern noch viel zu wenig den Augen der Tiere Beachtung geschenkt. Manches Tier wird bei Ausstellungen, bei Märkten oder am Stall angekauft, ohne auch nur im geringsten sich um die Augen der Tiere und deren Beschaffenheit zu bekümmern. Gerade im Auge des Kaninchens liegt ein großer Effekt, den das Tier bietet. Zum Beispiel ein Riesenkaninchen mit vollen klaren und tiefschwarzen Augen, biete einen anderen Anblick, als ein gleiches Tier dieser Rasse, mit kleinen, matten und tiefliegenden Augen. Man unterscheidet schwarze, braune und rote Augen, rosa und blaue bei verschiedenen Rassen. Das Auge aller Kaninchen soll voll und klar sein, glanzvoll und feurig. Nun weisen aber auch die Augen der Tiere verschiedene Fehler auf, welche den Wert derselben vermindern., bei der Bewertung mit Abzug oder ganz ausgeschlossen werden. Viele Fehler entstehen durch Nachlässigkeit der Züchter, andere können angeboren, andere durch äußere oder innere Einflüsse, wieder andere durch Ansteckung hervorgerufen sein. Was nun die Fehler betrifft, so unterscheidet man das Fleischauge, unter diesem wieder das Fleischauge und das ausgeprägte Fleischauge. Erkennung: Im Augenwinkel, der Nase zu , erscheint beim Fleischauge in größeren oder kleineren Pausen ein fleischrotes, dreieckigförmiges Stückchen Haut, dauernd beweglich, um wieder zu verschwinden und wieder hervorzutreten. Bei ausgeprägtem Fleischauge ist dieser Fleischhautanteil fast unbeweglich, bleibt dadurch auch dauernd sichtbar, nimmt in vielen Fällen auch einen größeren Raum ein, als bei ersterem.
Das Sackauge:
Die Augen der Tiere drücken sich der Nase zu aus den Höhlen heraus, hängen also nach vorne sackförmig aus den Augenhöhlen, in größerem oder geringerem Maße. Vorgenannte Fehler sind angeboren somit auch vererbungsfähig.
Das flimmernde Auge:
Dasselbe ist nicht Ausdruck und glanzvoll, sondern stets leicht flimmernd, man könnte sagen, überzogen. Augenfehler können einseitig oder auch beidseitig sein. Nicht selten trifft man auch Tiere, die Fleckaugen haben, bald das eine, bald das andere Auge, ohne an Augenglanz oder Sehkraft einzubüßen. Man findet in diesem Falle auf dem Augapfel einzelne kleine helle Punkte.
Trief- oder tränende Augen.
Dies ist eine Krankheit, entschieden hervorgerufen durch Zugluft, schlechte Stallluft, schlechte scharfe Fütterung oder auch bei Geschlechtskrankheiten der Tiere. Den Tieren läuft aus den Augenwinkeln der Nase zu dauernd eine wässrige Masse heraus. Der Tränenkanal. die Tränendrüsen sind entzündet und bedingen eine vermehrte Absonderung und Ausfluss der Flüssigkeit. Diese Entzündung kann akut, also vorübergehend, oder chronisch, also dauernd sein. Im letzteren Falle verlieren die Tiere sicht selten unterhalb des Auges die Haare, bekommen also kahle Stellen. Gegenmittel sind: Auswaschen, selbstredend mit Vorsicht auf die Augen) mit Kamillentee oder Fenchelwasser, möglichste Trockenfütterung, reinliche, warme Stallung. Beachtet der Züchter diese Krankheit nicht, so kann es vorkommen, dass sich hinter dem Augapfel Entzündungen bilden, mit eitrigen Geschwüren. Dieselben treiben dem Tier das Auge förmlich aus dem Kopf. Das Kaninchen hat unsäglich zu leiden, eine Heilung ist ausgeschlossen. Entzündete Augen trifft man vielfach an, auch hier ist meist unreine Stallung, sowie schlechte Stallluft daran schuld. Gegenmittel wie oben. Deckrammler, welche selten zum Decken verwendet werden, oder Rammler oder Häsinnen welche in unsinniger Weise, behelfs des Deckens , ganze Nächte zusammengesperrt werden, werden vielfach augenkrank. Tiere welche geschlechtskrank sind, leiden in den meisten Fällen auch noch an diesem Übel. Es ist also notwendig, dass viele Züchter, mehr wie bisher, sich um die Augen der Tiere kümmern, bei Anzeichen von Krankheiten rechtzeitig durch geeignete Mittel einschreiten, aber auch alles anwenden, um Augenkrankheiten zu verhüten.
Diese seinen: zugfreie Stallung, reichliche, trockene Streu, gesundes, zuträgliches Futter, nicht zum mindestens liebevolle Pflege und Behandlung.
Gegebenenfalls ist ein Tierarzt zu konsultieren.

Auszug aus dem Kaninchenzüchter von 1913

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